Mit Innovationen durch die Krise

Wirtschaftlich mit einem blauen Auge, organisatorisch mit breiter Brust und im Prestige mit einem dicken Plus – so können die Organisatoren der Kieler Woche das Jahr 2020 resümieren.

In der Corona-Auflage musste die weltgrößte Segelwoche komplett neu gedacht und umstrukturiert werden. Mit viel Mut haben sich die Macher an die Aufgabe gemacht. Herausgekommen ist ein Event mit dem Fokus auf den Segelsport unter Beachtung strenger Auflagen und unter Beobachtung durch Partner, Medien und Eventveranstalter. 150 Schilder und Banner weisen in Schilksee auf die geltenden Hygieneregeln hin. Foto: Sascha Klahn „Der Verlauf der vergangenen Tage und das Feedback, das wir bekommen haben, hat uns in unserem Vorgehen bestätigt, frühzeitig unsere Pläne zu kommunizieren“, erklärt Sven Christensen, Geschäftsführer der Vermarktungsagentur Point of Sailing (POS). Die Skepsis, die es im Vorfeld gegeben hat, hat man vielen Partnern nehmen können. Und so ist es gelungen, bis auf eine Ausnahme alle Unterstützer und Sponsoren an Bord zu halten, wenn auch in verändertem Umfang. „Wir haben die Inhalte mit allen Partnern individuell abgesprochen. Einige verschieben ihre Leistungen auf das kommende Jahr, andere leisten zehn Prozent des ehemals vereinbarten Umfangs. Das Gros liegt zwischen 30 und 50 Prozent des ursprünglichen Engagements, und einige sind sogar voll dabeigeblieben“, so Christensen.

Wichtig für die Sponsoren und Unterstützer war jeweils, wie sie sich bisher in das Event eingebracht haben und wie sie sich diesmal präsentieren konnten – ob sie auf den direkten Kontakt zum Publikum angewiesen sind oder vorrangig auf das Branding der Veranstaltung setzen, das durch die intensive mediale Aufbereitung auch in diesem Jahr gut zu sehen war. Aber trotz der Treue der Unterstützer ist die Kieler Woche in 2020 nur möglich geworden, weil sich die Stadt Kiel zu der Regattawoche bekannt hat und Verluste auffängt. „Durch die Fokussierung auf den Sport wären viele Kosten zum Aufbau der Infrastruktur ausschließlich beim Kieler Yacht-Club hängen geblieben. Das hätte der Club nicht stemmen können, da die Meldegelder für die Deckung der Kosten nicht ausreichen. Hier springt die Stadt ein“, sagt Sven Christensen.

Mit viel Zufriedenheit erfüllt den POS-Geschäftsführer die Umsetzung des über viele Monate entwickelten Corona-Konzeptes. „Bis heute hat alles gut funktioniert, auch wenn es immer einen kleinen Teil von Menschen gibt, die die Maßnahmen nicht wollen. Im Laufe der Woche haben wir feststellen können, dass die Akzeptanz unter den Sportlern noch stärker geworden ist. Das liegt auch daran, dass wir im zweiten Teil die olympischen Klassen am Start hatten. Die wissen durch ihre Professionalität und in ihr Verantwortungsbewusstsein noch viel mehr zu schätzen, dass wir durch die Regeln die Basis für ihr Spielfeld schaffen.“

Aus den Maßnahmen der Corona-Version dieser Kieler Woche lassen sich auch einige positive Aspekte für die Zukunft ziehen. „Die Umstellung auf Online in vielen Bereichen hat Vorteile. So konnten wir frühzeitig mit den Meldegelder kalkulieren, weil alle frühzeitig bezahlt haben. Die Einführung des digitalen Flaggenmastes und der Möglichkeit Protest- und Clearingformulare online herunterladen zu können, werden wir beibehalten“, so Christensen. „Außerdem haben wir die interne Kommunikation durch die Nutzung von Video-Meeting-Tools verbessert. Statt zweimal im Jahr in persönlichen Runden wie bisher geben wir den Teams nun einmal monatlich ein Update.“

Der Aufwand für die TV-Produktion hat sich trotz gleichbleibender Qualität im Vergleich zu den vergangenen Jahren durch die Corona-Maßnahmen verringert. Ein extra Studio im Olympiazentrum wurde nicht aufgebaut. Die deutschen Moderatoren kommentierten die Rennen aus dem Produktionsbüro in der Kieler Innenstadt, die englisch-sprachigen sogar aus England bzw. Kanada. Christensen: „Das hat super geklappt, ganz ohne Zeitverzögerungen zwischen Bild und Ton.“

Mitnehmen in künftige Kieler Wochen wollen die Organisatoren von POS auch gern positive Änderungen für die Athleten. So wurden die Möglichkeiten für die Tageshygiene durch zusätzliche Container verbessert, und auch die Abgrenzung der Liegeplätze von den Laufwegen kam gut an. „Das waren gute Maßnahmen. Die Abgrenzungen kann man natürlich offener gestalten als in diesem Jahr, aber sie bieten neben einem besseren Schutz der Boote und Athleten auch Möglichkeiten zu weiterem Branding“, sagt Sven Christensen.

Doch trotz aller positiver Effekte ist klar, dass die Kieler Woche wieder zu ihrem üblichen Geschehen mit allen Finanzierungsmöglichkeiten zurückkehren muss. Christensen: „Ansonsten ist es wirtschaftlich nicht tragbar und realistisch. Als Agentur haben wir das Jahr nur durch die verbleibenden Einnahmen aus Sponsoring, aus anderen Tätigkeiten wie zur boot und durch Maßnahmen wie Kurzarbeit überstehen können.“

2020 hat die Kieler Woche gezeigt, zu was Kiel.Sailing.City trotz aller Einschränkungen und Probleme in der Lage ist, 2021 muss sie aber wieder die gewohnte Kombination aus Weltklasse-Segelsport und Festival bieten.


Segeln plus X mit Hygiene und Abstand

Neben Segelsport auf höchstem Niveau kennzeichnete bislang auch traditionell eine bunte Eventfläche in Schilksee die Kieler Woche. Anders in diesem Jahr. Im Mittelpunkt des Geschehens steht ausschließlich der Segelsport. Schilksee wird zu einer geschlossenen Gesellschaft ohne Eventareal. Das Hafengelände wird für die Öffentlichkeit abgesperrt. Die Aktiven sind mit Trainern und Organisatoren unter sich. Auf Veranstaltungszelte, die Sponsorenmeile und Verkaufsstände wird verzichtet. Das Regattahaus, der boot-Düsseldorf-Club als Check-In-Zelt, die Vaasahalle und das Areal rund um den Kieler Yacht-Club in Düsternbrook sind die Anlaufstellen an Land, ggf. wird die Bootshalle des KYC in Strande integriert. Die Aktiven, Organisatoren und Trainer erhalten Einlass-Tickets, die nur für bestimmte Areale gelten.

„Es sind enorme Herausforderungen, denen wir uns stellen, um den Seglerinnen und Seglern auch in diesem Jahr die Möglichkeit zu geben, Regatta zu segeln. Dabei steht die Gesundheit aller Beteiligten ganz klar im Vordergrund. Hygienevorschriften und Mindestabstandsregeln müssten eingehalten werden“, so der Organisationsleiter der Kieler-Woche-Regatten, Dirk Ramhorst. Zudem werden die Einreise-Vorschriften Einfluss auf die endgültigen Starterlisten nehmen.

Da das analoge Kieler-Woche-Erlebnis in Schilksee im Jahr der Pandemie also nicht stattfindet und Zuschauer vor Ort damit ausgeschlossen sind, legen die Veranstalter ein noch größeres Gewicht auf die digitale Öffentlichkeitsarbeit. Die Präsenz in den sozialen Netzwerken wird ausgebaut, und die Regatten werden den Segelfans in aller Welt umfangreich über Kieler-Woche-TV virtuell zugänglich gemacht. Für den TV-Bereich zeichnet die Landeshauptstadt Kiel verantwortlich und trägt die entsprechenden Kosten.


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