Meldung vom 13. September 2020

Kieler Kulturpreis 2020 verliehen an den Schriftsteller Arne Rautenberg

Filmemacher Moritz Boll mit dem Förderpreis Kultur ausgezeichnet

Die Verleihung des Kieler Kulturpreises am Abschlusstag der Kieler Woche hat eine lange Tradition. Aber im Corona-Jahr 2020 wurde die „KiWo“ verschoben und so fand die Preisverleihung nicht wie sonst Ende Juni, sondern erst Mitte September statt. Verliehen wurde der Preis nicht wie gewohnt im Ratssaal des Rathauses, sondern aufgrund der Corona-Auflagen im Opernhaus, das mehr Platz bot. So passte das kulturelle Ambiente gut zum Anlass: Auf der Opernhaus-Bühne wurde der Kieler Schriftsteller Arne Rautenberg mit dem Kulturpreis 2020 der Landeshauptstadt Kiel ausgezeichnet und den Förderpreis Kultur erhielt der junge Kieler Filmemacher Moritz Boll.

Inmitten der Kulissen für die Mozart-Oper „Die Gärtnerin aus Liebe“ überreichten Stadtpräsident Hans-Werner Tovar und Oberbürgermeister Ulf Kämpfer den mit 10.000 Euro dotierten Kulturpreis an den 52-jährigen Lyriker, Autor und Sprachkünstler und den mit 4.000 Euro dotierten Förderpreis an den 26-jährigen Filmregisseur und Autor. Die Preisverleihung bildete einen Höhepunkt im Kulturprogramm der ganz besonderen Kieler Woche im Corona-Jahr 2020.

Als Kulturpreisträger ist Arne Rautenberg der Nachfolger des Kieler Schauspielers Marko Gebbert, der den Preis 2018 erhielt. Als Kieler Lyriker mit Kulturpreis steht er nun in einer Reihe mit Hans-Jürgen Heise, der den Preis 1974 erhielt, und dessen Frau Annemarie Zornack, die 1998 mit dem Kieler Kulturpreis ausgezeichnet wurde.

Moritz Boll ist der erste Filmemacher überhaupt, dem der Kulturpreis oder der Förderpreis verliehen wurde. Bolls Vorgängerin als Preisträgerin ist die Hornistin Allison Balls, die in diesem Jahr während der Verleihung zusammen mit anderen Mitgliedern des Philharmonischen Orchesters Kiel musizierte.

In seiner Ansprache erklärte Stadtpräsident Hans-Werner Tovar: „Unseren beiden Preisträgern ist eine ganz besondere Leidenschaft für ihr Werk eigen, die sie immer wieder antreibt zu schreiben oder zu filmen.“

Tovar nannte den bundesweit bekannten Autor Arne Rautenberg „einen echten Sprachkünstler – und einen echten Kieler, der in seinen Gedichten und Texten immer wieder auch seine Nähe zur Förde und zum Meer formuliert.“ Bei Moritz Boll sah der Stadtpräsident „Vorzeichen für eine große Karriere als Filmemacher.“ Beide Preisträger sind herausragende Beispiele für die Vielfalt und die hohe Qualität der Kultur in Kiel.

Für den Kieler Kultur- und Wissenschaftssenat, der die Preisträger vorgeschlagen hatte, sagte Professorin Dr. Anja Pistor-Hatam, Vizepräsidentin der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU): „Die Verleihung des Kulturpreises ist vor dem Hintergrund der Pandemie in diesem Jahr besonders wichtig, da die gesamte Kunst- sowie Kulturszene trotz oder gerade wegen der zurzeit vorherrschenden Einschränkungen viel zur Gesunderhaltung und Weiterentwicklung, zum Miteinander und dem Verständnis füreinander innerhalb der Gesellschaft beiträgt. In beeindruckender Weise zeigen die beiden Kieler Preisträger, wie Kultur zugänglich gemacht werden und Menschen berühren kann.“

Die Laudatio auf den neuen Kulturpreisträger hielt der Litertaturwissenschaftler Professor Dr. Dr. h.c. Heinrich Detering von der Georg-August-Universität Göttingen, der früher an der CAU lehrte und 2007 mit dem Kieler Wissenschaftspreis ausgezeichnet wurde.

„Ein Romantiker in der Stadt der Kinderdichter“ sei Arne Rautenberg, der berühmt geworden war als Kinderdichter, aber eigentlich ein Autor für alle Altersklassen ist, so wie es Erich Kästner, Astrid Lindgren und Ottfried Preußler waren. Detering erinnerte an den Dichter Novalis und die Zeit der Romantik um 1800: „Arne Rautenberg ist, im genauesten Sinne des Wortes, ein Romantiker des 21. Jahrhunderts. Die Verhältnisse kann er zum Tanzen, die Sprache zum Fliegen bringen wie Drachen im Herbstwind. Die Welt, die er so zart und wild romantisiert, ist unser Alltag: die Welt der Etagenwohnungen, der Fußgängerzonen und der Familienausflüge.“

Auch die bildkünstlerischen Arbeiten Rautenbergs erwähnte Detering: „Arne Rautenberg spielt mit den unendlichen Möglichkeiten der Übergänge von der Schrift zur Graphik, wie es seine Vorbilder Kurt Schwitters und Paul Klee taten.“ Das Buch wird dabei zum Kunstwerk. Detering: „Genaugenommen schreibt Arne Rautenberg nicht einfach Bücher und Hefte – er erschafft dreidimensionale Buchkunstwerke.“

Der ehemalige Kieler Heinrich Detering sprach auch das Verhältnis zwischen dem Kulturpreisträger und dessen Heimatstadt an: „Arne Rautenberg ist ein Kieler Dichter gerade mit dieser romantischen Kunst eines erwachsenen Kindes, das für uns, Kinder und Ex-Kinder, schreibt.“ Rautenberg gehöre nach Kiel wie die Biene Maja (deren Autor Waldemar Bonsels in Kiel zur Schule ging), wie der Märchenzauberer Hans Christian Andersen (besuchte Kiel), wie Selma Lagerlöf (Ehrendoktorin der CAU) und Klaus Groth. „Ja, Kiel ist eine Kinderdichterstadt wie kaum eine andere. Eine Kinder- und Erwachsenendichterstadt. Und es ist darum genau die richtige Stadt für Arne Rautenberg“, lautete die letzten Wort der Laudatio.

Möglicherweise ist Kiel auch die richtige Stadt für den jungen Filmregisseur Moritz Boll. In seiner Heimatstadt findet Boll seine Themen und es ist auch nur ein kurzer Weg zur Filmwerkstatt Kiel der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein. Arne Sommer, Leiter der Filmwerkstatt, kennt den jungen Filmemacher seit einigen Jahren und Filmen und sagte in seiner Laudatio auf den Förderpreisträger: „Ein Kino, das Nachwuchsregisseure wie Dich findet, ist auf keinen Fall verloren.“

Es ist nicht nur die fast ein bisschen nostalgisch wirkende große Liebe zum Kino, die Boll auszeichnet. Sommer zählte auf: „Du versteht es, ein gut gelauntes, gut geöltes Team um Dich zu versammeln. Eine Filmfamilie ist die beste Garantie für eine lange Karriere.“ Und: „Du erzählst uns davon, was es bedeutet, Mensch zu sein. In einer Art und Weise, die möglichst viele Menschen mitnimmt. Mit einer gewissen Zeitlosigkeit. Mit Leichtigkeit, Esprit und Mitgefühl. Dabei setzt Du die Mittel der Filmkunst so natürlich aufeinander, dass wir sie gar nicht wahrnehmen. Und das ist vielleicht Dein größtes Talent. Und das, was man am schwersten erkennt. Du erfindest das Rad nicht neu. Sondern kümmerst dich lieber darum, dass es besonders rund läuft. Und bist darin – bei all deiner eigenen Bescheidenheit – wirklich gut.“ Dabei sei „Leichtigkeit am allerschwersten zu erreichen. Und dazu. Lieber Moritz, hast Du das Talent, und das ist selten und groß.“



Arne Rautenberg, Kieler Kulturpreisträger 2020

Arne Rautenberg wurde am 10. Oktober 1967 in Kiel geboren, studierte an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) Kunstgeschichte, Neuere Deutsche Literaturwissenschaften und Volkskunde. Er lebt und arbeitet als freier Schriftsteller und Künstler in seiner Geburtsstadt, war zudem von 2006 bis 2020 Lehrbeauftragter an der Muthesius Kunsthochschule zu Kiel. Zurzeit ist er Stipendiat der Hermann-Hesse-Stiftung in Calw, wo er am 22. September aus seinen Arbeiten lesen wird.

Rautenberg schreibt Gedichte, Essays, Kurzgeschichten und Romane sowie Artikel für Feuilletons in Medien wie Die Zeit und FAZ. Seine Gedichte werden im deutschsprachigen Raum gelesen, durch den er auch mit Schullesungen und Lesungen für Erwachsene tourt. Als Romancier hat Rautenberg 2002 mit dem (Kiel-)Roman „Der Sperrmüllkönig“ debütiert. Sehr erfolgreich sind seine Gedichtbände für Erwachsene und für Kinder (zuletzt erschienen: kuddelmuddel remmidemmi schnickschnack, Gedichte für alle, Peter Hammer Verlag Wuppertal). Viele seiner Gedichte sind in Schulbücher aufgenommen worden.

Im bildkünstlerischen Bereich arbeitet Arne Rautenberg an Collagen und großflächigen Schriftinstallationen in Räumen, die in diversen Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt wurden.

2017 wurde Arne Rautenberg in die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung gewählt und 2018 in die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur. Er erhielt bereits zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien, darunter 2013 die Liliencron-Dozentur für Lyrik an der CAU und 2016 den allerersten Josef-Guggenmos-Preis für Kinderlyrik.


Moritz Boll, Träger des Förderpreises Kultur 2020

Moritz Boll, geboren am 27. August 1994 in Kiel, wuchs in Flintbek auf, machte sein Abitur an der Humboldt-Schule in Kiel, wo er auch heute lebt und arbeitet. Der junge Autor und Filmregisseur blickt bereits auf ein beachtliches und vielfach prämiiertes Schaffen zurück. Unter anderem erhielt er 2008 den STARK-Preis des Ministerpräsidenten Schleswig-Holsteins (für seinen ersten Kurzfilm „Wrong“) und er wurde 2012 mit dem Kieler Kulturpreis für Schülerinnen und Schüler ausgezeichnet (für sein Spielfilmdebüt „Kleinstadtfeuer“). Der Kurzfilm „Abgetaucht“ (2018) gewann unter anderem den Nachwuchsfilmpreis Schleswig-Holstein 2018 und lief im deutschen und sogar im schwedischen Fernsehen.

Mit seiner eigenen Produktionsfirma Moritz Boll Filmproduktionen realisiert er nicht nur Kinowerbespots. In Daniel Karaseks „Hamlet“-Inszenierung am Kieler Schauspielhaus (Premiere am 12. April 2019) zeichnete Boll für Video-Regie, Drehbuch und Schnitt verantwortlich. Und viele Kieler Theaterfans kennen auch Moritz Bolls Kino-Spot, in dem der neue Generalmusikdirektor Benjamin Reiners 2019 schwungvoll ganz Kiel zum Klingen bringt.


Kulturpreis mit langer Tradition

Der mit 10.000 Euro dotierte Kieler Kulturpreis wird von der Landeshauptstadt Kiel alle zwei Jahre im Wechsel mit dem Wissenschaftspreis vergeben. Erster Träger des Kieler Kulturpreises war 1952 der Maler Emil Nolde. Der Preis wird auf Vorschlag des Kultur- und Wissenschaftssenats für hervorragende kulturelle Leistungen vergeben.

2020 wurde zum vierten Mal zusätzlich zum Kulturpreis der Förderpreis Kultur (Dotierung: 4000 Euro) verliehen, ebenfalls auf Vorschlag des Kultur- und Wissenschaftssenats. Der Preis wird vergeben an junge Menschen, die herausragende kulturell schöpferische Leistungen erwarten lassen.
 

Preisverleihung auf der Opernhausbühne: (von links) Oberbürgermeister Ulf Kämpfer, Kulturpreisträger Arne Rautenberg, Förderpreisträger Moritz Boll und Stadtpräsident Hans-Werner Tovar.   Foto: LH Kiel / Peter Lühr


 

 

Pressemeldung 640/13. September 2020/ang


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