Sechs Nationen in der Siegerliste

Acht Tage Hochleistungssport, 19 Klassen auf den Bahnen der Kieler Außenförde und 278 Wettfahrten: Das ist die Bilanz der Kieler Woche 2020, für die auf den Inshore-Bahnen der oberste Wettfahrtleiter Fabian Bach mit seinen Teams verantwortlich zeichnet.

„Wir sind sehr zufrieden, haben bis auf ein paar wenige Ausnahmen das komplette Programm in allen Klassen segeln können. In den Silber-Gruppen der Laser und 29er haben wir wegen des kräftigen Windes zum Abschluss auf ein paar Rennen verzichtet“, bilanzierte Bach. Seinen Wettfahrtleitungen auf den Bahnen stellte er ein Bestzeugnis aus: „Die Teams haben super gearbeitet. Wir hatten natürlich auch Glück mit dem Wind, aber das gehört dazu.“


Philipp Buhl (links) hat zum sechsten Mal bei die Kieler Woche gewonnen. Foto: www.segel-bilder.de

Die Zusammenarbeit mit den Seglern habe im Großen und Ganzen gut geklappt, so der Chef-Wettfahrtleiter: „Mit einigen werden wir sicherlich sprechen müssen, ob ihre und unsere Vorstellungen der Kieler Woche zusammenpassen. Da geht es um Anzahl der Wettfahrten und auch die Platzierung auf den Bahnen. Aber wir haben eben nur begrenzten Platz auf den Innenbahnen.“ Und gerade in diesem Jahr konnte nicht alle Wünsche erfüllt werden, da wegen der Corona-Pandemie die Teams bewusst klein gehalten wurden und die Anzahl der Organisationsboote reduziert wurde.

„Das Ziel war es, hochklassige Wettfahrten anzubieten. Das hat gut funktioniert. Für 2021 planen wir jetzt wieder mit der Regatta im Juni und hoffen darauf, dass wir mit weiteren Erkenntnissen noch besser mit Corona umgehen können. Dann lassen sich vielleicht einige Maßnahmen zurückschrauben. Aber auch so haben wir gezeigt, dass die Kieler Woche selbst unter diesen Bedingungen Regatten anbieten kann“, so der oberste Wettfahrtleiter für die Dreiecksbahnen.

Sechs Nationen trugen sich in der zweiten Hälfte der Kieler Woche in die Siegerliste ein. Auf Platz eins im Ländervergleich landete dabei Dänemark vor Deutschland.

49er FX:
Nach dem Sieg in der nationalen Olympia-Qualifikation sicherten sich Tina Lutz/Susann Beucke (Chiemsee/Strande) auch ihren dritten Kieler Woche-Sieg. Nach 2012 und 2016 geht die Kieler Goldmedaille an die deutschen Ausnahmeseglerinnen. Bis zur letzten Wettfahrt war es ein Bug-an-Bug-Rennen mit den Amerikanerinnen Stephanie Roble/Maggie Shea, denen ein zehnter Rang im letzten Rennen nicht reichte, um die deutsche Crew von Platz eins zu verdrängen. Auf Platz drei landeten die Britinnen Charlotte Dobson/Saskia Tidey. „Es ist etwas Besonderes in Kiel zu gewinnen. Heute Abend wird gefeiert“, so die Siegerinnen der deutschen Olympiaqualifikation direkt nach dem Zieleinlauf. Die Familie feierte die Siegerinnen schon beim Einlaufen in den Hafen. Nach den verpassten Tickets für die Olympischen Spiele in London und Rio gelang der Coup im dritten Anlauf.


Gestern bereits die gelungene nationale Olympiaqualifikation, heute Kieler-Woche-Sieg: Für Tina Lutz/Susann Beucke hätte es nicht besser laufen können. Foto: www.segel-bilder.de

49er:
Nach einer überlegenen Vor- und einer soliden Finalrunde hätte der dänische Olympiasieger von 2008 Jonas Warrer den Sieg vor Kiel mit dem letzten Zieldurchgang fast verspielt. Gemeinsam mit seinem Vorschoter Jakob Precht Jensen kam er zum Abschluss nicht über einen siebten und einen neunten Platz hinaus. Die Ergebnisse stießen das Tor zum Gesamtsieg einen Spaltbreit auf, und die Vizeweltmeister Diego Botin/Iago Lopez Marra (Spanien) standen bereit. Mit einem ersten und einem dritten Platz zogen sie nach Punkten mit Warren/Precht Jensen gleich. Aber die Dänen hatten aufgrund der besseren Einzelergebnisse das bessere Ende für sich. Die Franzosen Lucas Rual/Emile Amoros kletterten noch auf Rang drei. Für die deutschen WM-Dritten Erik Heil/Thomas Plößel reichte es trotz eines Tagessieges zum Abschluss nicht mehr zu einer Verbesserung im Gesamtranking. Sie beenden die Kieler Woche als Sechste. „Zum Abschluss haben wir die richtige Segeleinstellung gefunden, hatten mehr Speed. Wäre uns der erste Tag nicht missglückt, wäre mehr drin gewesen“, sagte Thomas Plößel.

Finn:
Nach einer nicht zufriedenstellenden Europameisterschaft in der vergangenen Woche in Polen, als er sich mit Platz fünf begnügen musste, hat sich der Niederländer Nicholas Heiner rehabilitiert. Zur Kieler Woche holte er sich den Sieg vor dem Argentinier Facundo Olezza und dem Schweizer Nils Theuninck. „Es war ein wichtiger Erfolg, eine Bestätigung für die Arbeit im Sommer“, so sein Trainer Mark Andrews, vor sieben Jahren selbst Finn-Sieger zur Kieler Woche. „EM-Platz fünf war nicht das, was wir wollten. Die Bedingungen dort waren schwierig, aber das waren sie für alle. Hier passte es besser. Dennoch gibt es noch einige Arbeit. Das ist okay, denn wir wissen nun, woran wir arbeiten müssen.“ Das Ziel für Trainer Andrews ist klar: „In Tokio geht es um eine Medaille. Deshalb fahren wir dahin.“

Nacra 17:
Zum Abschluss wurde es noch einmal eng mit dem Medaillentraum der Deutschen Paul Kohlhoff/Alica Stuhlemmer (Kiel) vor Kiel. Die argentinischen Olympiasieger Santiago Lange/Cecilia Carranza machten mächtig Druck auf das jüngste Team im Feld. 33 Jahre Lebenserfahrung und der Gewinn von drei Olympiamedaillen trennen die 58-jährige Segellegende Lange vom 25-jährigen Paul Kohlhoff. Vor Kiel aber betrug der Unterschied nur einen Punkt, und der schlug letztlich zugunsten von Kohlhoff/Stuhlemmer aus. Nach einem sechsten und einem zehnten Platz am finalen Tag rettete sich das Heimteam auf dem Bronzeplatz ins Ziel. Lange/Carranza mussten trotz eines Tagessieges und eines vierten Platzes insgesamt mit Rang vier vorliebnehmen.

Weit über der versammelten Weltklasse agierten die Italiener Ruggero Tita/Caterina Banti. Ohne Ausrutscher und mit sieben Siegen in den zwölf Rennen verwiesen sie auch die amtierenden Weltmeister John Gimson/Anna Burnet (Großbritannien) deutlich in die Schranken. Der nächste Showdown der Hochgeschwindigkeitsakteure steht ab dem 28. September mit der Europameisterschaft auf dem Attersee in Österreich an.


Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer setzten sich knapp gegen das Team Lange/Carranza durch und kamen als bestes deutsches Team auf den dritten Platz. Foto: www.segel-bilder.de

Laser Radial:
Ein Ausrutscher, und das Kieler Gold ist weg. Diese Erfahrung musste die amtierende Laser-Radial-Weltmeisterin Marit Bouwmeester im finalen Rennen machen. Die Niederländerin kam nur als 20. ins Ziel, kassierte damit ihr Streichresultat und musste die 2019er-Weltmeisterin Anne-Marie Rindom (Dänemark) passieren lassen. „Ich bin überrascht. Gerade bei viel Wind ist Marit eine starke Wettkämpferin. Aber sie hat einige Fehler gemacht, das war mein Glück“, sagte Rindom. „Wir kommen jedes Jahr zur Kieler Woche, es ist immer ein tolles Event. Wir lieben es. Aber dieses Jahr war es besonders hochwertig, da wir nach der WM keine Regatta mehr hatten.“ Rindom nutzte beide Regattahälften der Kieler Woche, segelte zunächst in der offenen Laser-Radial-Klassen und dann bei den olympischen Frauen: „22 Rennen in acht Tagen sind ein perfektes Training für die Europameisterschaft in drei Wochen.“ Danach geht der Fokus bereits in Richtung Tokio: „Ich werde hart arbeiten und erwarte dann wieder einen engen Fight mit Marit.“

Für die deutschen Seglerinnen ging es zur Kieler Woche um wichtige Qualifikationspunkte für die Tokio-Nominierung. Trotz des 15. Platzes konnte Svenja Weger (Kiel) einen kleinen Vorsprung vor der neuntplatzierten Hannah Anderssohn (Warnemünde) wahren. Zufrieden war sie trotzdem nicht: „Heute habe ich es verbockt. Ich bin gut gestartet, war auch nach der ersten Kreuz gut dabei. Dann habe ich aber falsche Entscheidungen getroffen, mich nicht optimal positioniert. Der letzte Downwinder war dann reiner Überlebensmodus. Da hat uns noch einmal eine heftige Böe erwischt.“ Die letzte Ausscheidungsrunde der deutschen Olympia-Anwärterinnen steht nun bei der Europameisterschaft in Polen an. „Ich werde mit meinem Trainer besprechen, wie wir die konkrete Vorbereitung gestalten“, so Weger.


Svenja Weger beendete die Kieler Woche auf dem 15. Platz. Foto: Sascha Klahn

Laser Standard:
Im Finale von Kiel hat Philipp Buhl schon einige Male Finalqualitäten bewiesen. Und auch 2020 stellte der Allgäuer, der Kiel als zweite Heimat hat, seine Gegner in den Schatten. Mit einem ersten und einem dritten Platz eroberte der 30-Jährige noch Platz eins. Geschlagen war einmal mehr Elliot Hanson. Der Brite hatte vor zwei Jahren in einem Millimeter-Finale Buhl den Kieler-Woche-Sieg überlassen müssen, diesmal machte der Unterschied zum Abschluss immerhin vier Punkte aus. Für den deutschen Weltmeister ist es der sechste Titel vor Kiel – gefolgt vom britischen Duo Hanson und Michael Beckett.

„Bei Wind zu segeln, habe ich nicht verlernt in der langen Pause. Aber zu gewinnen, ist kein Selbstläufer in dieser Klasse. Es waren sieben, acht aus den Top-15 der Welt am Start“, so Buhl. Gerade die Briten hatten in den vergangenen Monaten in einer starken Trainingsgruppe gearbeitet und waren eine hohe Hürde. „Es freut mich umso mehr, dass es funktioniert hat. Es war seglerisch eine kontrollierte Leistung“, so der deutsche Vorzeigeathlet. In der Corona-Zeit hatte er die Möglichkeiten genutzt, um den Kopf freizubekommen und einige neue Dinge zu probieren. Bis zur Europameisterschaft bleibt der Fokus von Buhl nun beim Laser-Segeln, danach wird es noch einmal etwas entspannter, bevor Anfang des Jahres die konkrete Vorbereitung für Tokio beginnt.

29er:
Mit ihrem Doppelsieg segelte sich das maltesische Geschwisterpaar Richard und Antonia Schultheis in den Fokus der Öffentlichkeit. Die gebürtigen Deutschen sind mit der Familie vor zwölf Jahren auf die Mittelmeerinsel gezogen und haben dort das Segeln gelernt. Nach der Ausbildung im Opti sind sie nun im 29er angekommen, segeln nebenbei auch noch Waszp. Im Nachwuchsskiff agiert das Geschwisterpaar getrennt – jeweils am Ruder mit deutschen Vorschotern. „Zusammen liefe es wohl nicht so gut“, sagt die 17-jährige Antonia, die mit ihrem Vorschoter Ole Ulrich erst seit eineinhalb Monaten ein Team bildet und zur Kieler Woche gleich auf Platz zwei landete. Ihr zwei Jahre jüngerer Bruder Richard segelt dagegen schon seit rund einem Jahr mit Max Körner zusammen und siegte souverän vor Kiel.

„Die Verbindung ist über unsere Kontakte nach Deutschland zustande gekommen. Unseren Vorschotern fehlte jeweils ein Steuermann. Im Winter haben wir vor Malta trainiert, jetzt im Sommer auf dem Gardasee“, erklärte Richard Schultheis und freute sich über den Gesamtsieg: „Erwartet haben wir das nicht, aber wir hatten schon hohe Ambitionen.“ Den dritten Platz hinter den beiden maltesischen Teams belegten die Dänen Jens-Christian und Jens Philip Dehn-Toftehöj.

Formula 18:
Zum Abschluss der Kieler Woche bekam die Serie der Kat-Asse Cedric Bader/Nicolaj Björnholt (Frankreich/Dänemark) noch einen „Kratzer“. Mit Rang drei fuhr das Duo sein schlechtestes Resultat ein, sparte sich danach die Abschlusswettfahrt und genoss den triumphalen Sieg mit 39 Punkten Vorsprung vor den ersten Verfolgern Robert Schütz/Rea Kühl (Krefeld) sowie Mikko und Kirsikka Räisänen (Finnland). An Land konnte sich Bader ein Grinsen ob der Überlegenheit nicht verkraften: „Es ist das erste Mal, dass wir zusammen gesegelt sind. Wir haben vorher noch nie gemeinsam auf einem Boot gesessen.“ Ohne Training gingen die beiden auf den Kurs und fuhren neun Siege, einen zweiten und einen dritten Platz in den zwölf Wettfahrten ein. Nach diesem geglückten Projekt könnte das Erfolgsrezept für die Zukunft konsequente Arbeitsteilung lauten. „Wir haben uns jeder auf uns selbst konzentriert“, sagte Nicolaj Björnholt, der sonst selbst am Ruder sitzt. Eine Fortsetzung ist indes nicht fest geplant: „Wir kennen uns über Hobie-Regatten, sind gut befreundet. Aber mein Nummer-Eins-Partner bleibt mein Bruder“, so Bader. Ausschließen wollte er eine Wiederholung aber auch nicht: „Wenn sich die Gelegenheit ergibt…“

OK-Jolle:
Bei den OK-Jollen hatte zum Abschluss der Regatta der Stand vom Vortag bestand. Angesichts der Windbedingungen hatte die Klasse entschieden, nicht mehr auf den Kurs zu gehen. Damit siegte Mads Bendix (Dänemark) vor André Budzien (Schwerin) und Thomas Hansson-Mild (Schweden).
 

Segeln plus X mit Hygiene und Abstand

Neben Segelsport auf höchstem Niveau kennzeichnete bislang auch traditionell eine bunte Eventfläche in Schilksee die Kieler Woche. Anders in diesem Jahr. Im Mittelpunkt des Geschehens steht ausschließlich der Segelsport. Schilksee wird zu einer geschlossenen Gesellschaft ohne Eventareal. Das Hafengelände wird für die Öffentlichkeit abgesperrt. Die Aktiven sind mit Trainern und Organisatoren unter sich. Auf Veranstaltungszelte, die Sponsorenmeile und Verkaufsstände wird verzichtet. Das Regattahaus, der boot-Düsseldorf-Club als Check-In-Zelt, die Vaasahalle und das Areal rund um den Kieler Yacht-Club in Düsternbrook sind die Anlaufstellen an Land, ggf. wird die Bootshalle des KYC in Strande integriert. Die Aktiven, Organisatoren und Trainer erhalten Einlass-Tickets, die nur für bestimmte Areale gelten.

„Es sind enorme Herausforderungen, denen wir uns stellen, um den Seglerinnen und Seglern auch in diesem Jahr die Möglichkeit zu geben, Regatta zu segeln. Dabei steht die Gesundheit aller Beteiligten ganz klar im Vordergrund. Hygienevorschriften und Mindestabstandsregeln müssten eingehalten werden“, so der Organisationsleiter der Kieler-Woche-Regatten, Dirk Ramhorst. Zudem werden die Einreise-Vorschriften Einfluss auf die endgültigen Starterlisten nehmen.

Da das analoge Kieler-Woche-Erlebnis in Schilksee im Jahr der Pandemie also nicht stattfindet und Zuschauer vor Ort damit ausgeschlossen sind, legen die Veranstalter ein noch größeres Gewicht auf die digitale Öffentlichkeitsarbeit. Die Präsenz in den sozialen Netzwerken wird ausgebaut, und die Regatten werden den Segelfans in aller Welt umfangreich über Kieler-Woche-TV virtuell zugänglich gemacht. Für den TV-Bereich zeichnet die Landeshauptstadt Kiel verantwortlich und trägt die entsprechenden Kosten.


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