Überflieger, Klassiker und Olympia-Kampagnen

Traditionelle Kieler Woche mit innovativen Elementen, Deutsche Nationalmannschaft am Start, Double Hand Mixed, Fliegende Klassen, OK-Jollen-EM, nachhaltig und mit treuen Partnern.

 

Von links: Der Kieler-Woche-Matrose, Hans-Werner Tovar (Stadtpräsident Kiel), Michael Degen (Messe Düsseldorf), Nadine Stegenwalner (DSV), Thorben Weber (Rewe), Dirk Ramhorst (KYC), Christian Peer (Goslings), Roland und Nahid Gäbler, Ferdinand Ziegelmayer (Laser Deutschland). Foto: segel-bilder.de


Die 125. Kieler Woche verbindet Tradition mit Innovation. „Nach einem Jahr der Rekorde 2018 ist die Kieler Woche in ihrer 125. Auflage ein Jahr neuer Elemente. Sie lebt ja davon, sich regelmäßig neu zu erfinden und neue Elemente mit traditionellen Klassen zu verbinden“, so der Organisationsleiter der Kieler-Woche-Regatten, Dirk Ramhorst, beim Kiel-Treff auf der 50. boot Düsseldorf.

Vor rund 250 Gästen aus Wirtschaft, Politik und Sport blickten die Organisatoren mit ihren Partnern und Aktiven in Richtung Kieler Woche 2019 (22. bis 30. Juni).

Vom Auftritt der deutschen Segel-Nationalmannschaft bis zur EM der traditionellen und boomenden OK-Jolle, von den Klassikern bis zu den foilenden Motten und Wazsps, von der stolzen Swan 50 bis zum 4,06 Meter kurzen Laser 4.7, vom Angebot für die neue olympische Disziplin „Double Hand Offshore“ über die 2.4mR bis zum Auftritt der Youth Sailing Champions League reicht die sportliche Bandbreite einer Kieler Woche, die zudem reichlich gesellschaftliche und kulturelle Höhepunkte bietet.

Und zur 125. Kieler Woche im 138. Jahr des Bestehens dürfte noch etwas intensiver gefeiert werden. „Wer kennt das nicht von zu Hause: Natürlich wird bei einem runden Geburtstag ganz besonders gefeiert. Zum 125. Jubiläum wird die Kieler Woche mit all ihren Facetten in vollem Glanz erstrahlen. Im Moment besorgen wir noch die ‚Geschenke‘“, so Stadtpräsident Hans-Werner Tovar, der sich in Düsseldorf auch für eine Fortsetzung der engeren Verbindung von Stadt und Segelsport aussprach. „2018 haben wir das Segeln live und direkt in die Innenstadt bringen können. Dieser Ansatz ist hochmodern und wird natürlich fortgesetzt“, so Kiels höchster Repräsentant zu der Übertragung der Regatten auf LED-Leinwände in der Innenstadt. Daneben sei das Thema Nachhaltigkeit für die Landeshauptstadt Kiel ein ganz wichtiges Thema. „Wir arbeiten in den Bereichen Müllvermeidung, Mülltrennung und Becherpfandsystem“, so Tovar.

Aber nicht nur das Kieler-Woche-Jubiläum wird in Kiel zu spüren sein, denn auch die boot Düsseldorf feiert noch im Juni. „Wir werden das gesamte Jahr 2019 den 50. Geburtstag der boot feiern, schließlich wird sie doch erst im November 50. Damit haben wir fast ein ganzes Jahr Zeit, diese wunderbaren 50 Jahre zu feiern. Natürlich wird der Spirit der 50 boot Jahre auch noch im Sommer in Kiel zu spüren sein“, so Werner Dornscheidt, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Düsseldorf. Dazu präsentiert die boot mit Meeno Schaders Wetterwelt das Kieler-Woche-Wetter und lädt die Aktiven in die boot Lounge ein.

„Es macht uns einfach stolz, in Schilksee Flagge zeigen zu dürfen. Wir freuen uns jedes Jahr aufs Neue über unsere Partnerschaft“, so der Messechef.

Ins zweite Jahr der Premiumpartnerschaft gehen REWE und Goslings. Und parallel zur boot wird in Kiel bereits der neue Kieler–Woche-Cocktail kreiert. Im Regional Bildungszentrum in Kiel findet der Goslings Kieler-Woche-Cocktail-Cup statt. „13 Schüler des Barschulcups werden neben ihrer klassischen Cocktailprüfung einer Jury jeweils eine eigene Kreation zum neuen Kieler-Woche-Cocktail präsentieren. So wird es bereits ab Februar den Kieler-Woche-Cocktail 2019 geben“, so Christian Peer, zuständig für das Goslings Marketing in Deutschland.

Thorben Weber, bei den Supermärkten Nord für Projekte und Events wie die Kieler Woche verantwortlich, betonte die enge Bindung von REWE zur Kieler Woche. „Als Premiumpartner ein Mitglied der Kieler Woche Gemeinschaft und Botschafter dieses großen Segel-Events zu sein, ist für uns etwas ganz Besonderes. Hier können wir die Verbundenheit unseres Unternehmens und der Marke REWE mit dem Lebensgefühl des Nordens deutlich machen.“ Seit zwölf Jahren ist das „Unser Norden-Dorf“ eine feste Institution auf der Kieler Woche. 2019 ist der Prinzengarten der neue Standort in Kiel. In Schilksee zeigt sich REWE auf den Bahnmarken.

Dirk Ramhorst umriss die seglerischen Highlights der 125. Kieler Woche in Kürze: „Im Bereich Foiling wird die Kieler Woche für die Einheitsklasse Waszp, die Konstruktionsklasse Moth und zusätzlich ‚offen‘ ausgeschrieben. Wir wollen damit neue Aktive, aber auch Stammkunden der Kieler Woche wie die OK-Jollen mit deren EM mit unserem Klassenportfolio ansprechen.“

„In den Diskussionen um den Sailing World Cup wurden wir seitens World Sailing immer für unsere Mischung aus olympischen, internationalen und offshore Veranstaltungen kritisiert, doch gerade letzteres erweist sich jetzt als perfekt auch für World Sailing. Denn wir sind die einzige ‚klassische‘ Veranstaltung, die nun unmittelbar auf das Double-Hand-Offshore-Format reagieren kann“, ergänzte Ramhorst. Neben der neuen olympischen Disziplin für 2024 in Frankreich starten in Kiel auch die aktuellen olympischen Klassen.

Möglichst geschlossen und komplett wird dazu die deutsche Segelnationalmannschaft in Kiel antreten. „Natürlich steht die Kieler Woche bei allen im Regattaplan. Jeder liebt es, zuhause zu segeln. Und jeder möchte auf dem Heimpodium stehen“, so die Sportdirektorin des DSV, Nadine Stegenwalner. Das Zusammenspiel mit dem Nachwuchs, mit Freunden, Sponsoren und dem gesamten DSV-Team sei immer ein besonderer Höhepunkt im Regattakalender, so die Stranderin, die seit über zwei Jahren auch Vizepräsidentin des Weltseglerverbandes ist.

Auch wenn ein Sieg in Kiel dem Selbstbewusstsein gut tut und der Auftritt in Kiel Pflicht und Kür zugleich ist, ist in diesem Jahr die Sicherung der Nationenplätze für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio wichtiger. In acht Klassen möchte der DSV in Japan vertreten sein, in fünf Klassen (49er FX, Nacra 17, Finn, 470er Männer und 470er Frauen) muss der Platz für Deutschland noch ersegelt werden. Die entscheidenden Weltmeisterschaften – im Finn ist es die EM – finden deutlich nach der Kieler Woche statt. „In Kiel geht es daher eher um den Feinschliff. Hier kann man auch Mut sammeln. Denn man muss auch lernen, aufs Treppchen zu kommen“, so Stegenwalner, deren Abteilung Leistungssport innerhalb des DSV ebenso in Kiel-Schilksee beheimatet ist wie die Abteilungen Nachwuchs und Technik. Bis 2024 hat das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) den Bestand des Bundesstützpunktes bereits bestätigt. „Für uns ist dieser Zustand perfekt. Für die Seglerinnen und Segler ist Kiel die Homebase, die Kieler Förde ist unser Revier“, so Stegenwalner in Düsseldorf.

Einer, der beim Thema Olympische Spiele ganz sicher mitsprechen kann, ist Roland Gäbler. Der Bronzemedaillen-Gewinner von 2000 im Tornado möchte für 2024 seine siebte Olympiakampagne starten. „Wir wollten ohnehin mehr Double Hand Offshore segeln und hatten uns schon ein paar Rennen ausgesucht. Das jetzt Mixed olympisch wurde, passt perfekt in unseren Plan. Es wäre meine siebte Olympia-Kampagne. Wir folgen unserem großen Vorbild Paul Elvström. Und solange wir mit Doppeltrapez im Tornado Meisterschaften gewinnen, können wir auch jede beliebige Yacht segeln“, so Gäbler zu seiner Kampagne mit Ehefrau Nahid, mit der der heute 54-Jährige seit 2009 zusammen Regatten segelt. Auch wenn Gäbler vor allem auf dem Katamaran Erfolge gehamstert hat, gehört auch die offene See zu seinem Revier. „Ich habe schon einen Offshore-Weltrekord mit Steve Fossett und seinem 125 Fuß Kat ‚Playstation‘ aufgestellt, bin mit Hasso Plattner One-Ton gesegelt und kenne mich mit Farr 40, X-Yachts und vielem mehr aus“, ist der gebürtige Bremer nicht zu stoppen, wenn er übers Segeln sprechen kann.

Im April soll die neue Offshore-Karriere starten. Dann kommt als erstes Rund Fünen und dann die Kieler Woche. Es folgen die IDM in Travemünde und das Vegvisir Race in der dänischen Inselwelt. „Wir freuen uns auf diese neue Herausforderung“, so Gäbler, der mit 59 Jahren vor Marseille (Frankreich) zusammen mit Ehefrau Nahid gern die deutschen Farben vertreten möchte.

 

Erst Fliegen, dann olympisch

Zudem wachsen der Kieler Woche Flügel. Im 138. Jahr ihres Bestehens beweist die Traditionsveranstaltung einmal mehr, dass sie mit der Zeit geht und hebt ab. Neben den olympischen und 17 Internationalen Klassen, den 2.4mR und den Offshore-Klassen gehen auch Foiling-Klassen an den Start.

Im Bereich Foiling wird die Kieler Woche für die Einheitsklassen Waszp, Moth und „offen“ ausgeschrieben. Dabei wird den Foilern eine eigene Bahn gehören.

Die Motten hatten bereits 2008 ihren ersten Auftritt bei der Kieler Woche. Jetzt gibt es ein Wiedersehen. Die International Moth Class (Motte) ist eine Einhand-Segelbootklasse mit einer Länge von 3,35 m und einer Breite von max. 2,25 m, unter dem Rumpf sind zwei Tragflügel montiert. Die einzige vom Weltsegler-Verband anerkannte Einhand-Jollen-Konstruktionsklasse ist vor allem bei 49er-Seglern sehr beliebt. Die Motten erreichen Spitzengeschwindigkeiten von über 35 Knoten (65 km/h).

49er-Bronzemedaillengewinner Erik Heil (Kiel), 49er-Europameister Justus Schmidt (Schönwalde) sowie der WM-Dritte und mehrfache Kieler-Woche-Sieger im Laser, Philipp Buhl (Sonthofen), haben ihr Interesse bekundet, vor ihrem Auftritt in den olympischen Klassen in der Motte zu fliegen.

Ein absoluter Foiling-Fan ist auch Ferdinand Ziegelmayer. Der Hamburger Laser-Generalimporteur hat auch die Waszp im Angebot und schwärmt vom Fliegen. „Die Waszp ist der Einstieg ins Foilen. Man kann die Waszp als kleine Schwester der Motte bezeichnen, einfacheres Konzept zu weniger als der Hälfte des Preises einer Motte“, rechnet Ziegelmayer vor. Auch wenn die Zahlen der „Flieger“ steigen und foilende Klassen in fast jeder Jollen-/Kat-Szene wie mit der Waszp, Skeeta, UFO oder Flying Phantom auftauchen, ist Ziegelmayer realistisch: „Foilen ist nach wie vor ein Nischensegment. Durch die vielen Konzepte und auch Einsteigerboote wird das Foilen zwar einem breiteren Publikum geöffnet, aber es bleibt sehr sportlich.“

Nach dem Auftritt beim America‘s Cup wurde das Foilen noch populärer. „Wir haben schon gemerkt, dass mehr Aktive es einmal ausprobieren wollen“, so der Hamburger, der auch Coaches und Einsteiger-Trainingseinheiten vermittelt. „Die Waszp Szene ist eine sehr offene Szene. Es geht darum, Spaß zu haben und die Freude am Fliegen mit Gleichgesinnten zu erleben und zu teilen. Und sobald einige zusammenkommen, hat man automatisch den Wettbewerb dabei.“ In Deutschland wächst die Flotte schnell, am schnellsten in Europa. „Dazu bieten die ersten Regatten wie eben die Kieler Woche den Wettkampf an“, beschreibt Ziegelmayer den neuen Trend auf Flügeln.

 

OK: Die boomende Klasse

Doch nicht nur die olympischen Klassen und die „Überflieger“ stehen bei der Kieler Woche im Mittelpunkt des Interesses. Auch in traditionellen internationalen Klassen geht die Post ab. Ein besonderes Beispiel ist die OK-Jolle, die im Rahmen der Kieler Woche ihre Europameisterschaft (Samstag, 22. Juni, bis Dienstag, 25. Juni) austrägt. Die WM 2018 vor Warnemünde hat gezeigt, welchen Zulauf die Klasse gegenwärtig erlebt. Auch aus olympischen Bootsklassen drängen große Namen in die OK-Jolle, deren Segler für großen Zusammenhalt und geselliges Beisammensein bekannt sind. „Zurzeit boomt es tatsächlich enorm in der Klasse“, so Jan Kurfeld (Wismar), Kieler-Woche-Sieger und WM-Dritter 2018.

Auch wenn eine EM nicht die Starterzahlen einer WM erzielen wird (142 aus zehn Nationen waren in Warnemünde am Start), so hoffen die Kieler-Woche-Organisatoren natürlich dennoch auf ein starkes Teilnehmerfeld. 2018 gingen in Frankreich bei der EM auch 76 Aktive aus zehn Nationen an den Start. Ein Freund von Jan Kurfeld ist gleichzeitig auch Konkurrent: André Budzien. Der dreifache Weltmeister schnappte sich im Vorjahr auch den Titel vor keinem Geringeren als Frederik Lööf weg. Der sechsfache Olympiateilnehmer und dreifache Medaillengewinner (2012 Gold) aus Schweden segelt aus Vergnügen OK.

Namen wie Mats Caap (OK-Weltmeister und Olympiateilnehmer im Finn 1988) und Thomas Hansson-Mild (OK-Weltmeister/beide Schweden), des Weltranglisten-Ersten und mehrfachen OK-Jollen-Europameisters Bo Petersen (Dänemark), des ehemaligen Europameisters Jorgen Svendsen, des dreifachen Kieler-Woche-Siegers und ehemaligen OK-Weltmeisters Greg Wilcox (Neuseeland), des zweifachen Weltmeisters Jim Hunt (Großbritannien), des Europameisters Richard Burton sowie des amtierenden Europameisters Lars Johan Brodtkorb aus Norwegen tauchen in den Teilnehmerlisten der Europa- und Weltmeisterschaften der vier Meter langen und 1,42 Meter breiten OK-Jolle auf.

 

Frühstart des Kiel-Cups

Das Bild zum Auftakt der Kieler Woche ist unverändert. Am Samstag, 22. Juni, trifft sich die Offshore-Segelgemeinschaft vor der Kiellinie. Hier kommt es zum Stelldichein der Big Boats zur Aalregatta, zum Welcome Race und erstmals auch zum Kiel-Cup. Während die nach Yardstick vermessenen Yachten, die ORC-Club-Flotte, Katamarane, Einheitsklassen und die Double Hand Crews Richtung Eckernförde segeln, starten die ORCi vermessenen Yachten zur Mittelstrecke des Kiel-Cups, der mit Ups & Downs von Sonntag bis Dienstag fortgesetzt wird. „Wir haben mit der Regattavereinigung Seesegeln ein neues Format erarbeitet. Ziel ist es, die ORCi-Flotte stärker einzubinden“, so Offshore-Wettfahrtleiter Eckart Reinke. Dabei gehört der Kiel-Cup zu einer Viererserie des RVS-Cups. „Wir haben die Mitglieder befragt und sie in die Planungen für 2019 eingebunden“, so RVS-Vorsitzender Bertil Balser. Mit abendlichen Partys in Schilksee und der Siegerehrung am Dienstag wird auch der gesellige Rahmen um den Sport aufgewertet.

Auch die Aufnahme der neuen olympischen Disziplin (ab 2024 in Paris/Marseille) „Double Hand Offshore Challenge“ steht von Mittwoch bis Sonntag im Kieler Woche Programm. Kurz-, Mittel- und Langstrecke entsprechen dem geplanten olympischen Programm. Gesegelt wird mit ORC-Club vermessenen Yachten. Mit am Start ist das Ehepaar Roland und Nahid Gäbler.


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